Über die artgerechte Haltung von Sportwagen.




Was macht man, wenn man sich den lang gehegten Traum vom Traumsportwagen erfüllt hat und dieser endlich ganz real chrom- oder carbonglänzend vor einem steht?

Klar, man kann ihn stehen lassen, in der geheizten und klimatisierten Garage, ihn wöchentlich polieren statt pilotieren, ihn von ein paar engen Freunden bewundern lassen, ihn –ausnahmsweise!- bei allerschönstem Sonntagswetter auf einen Prachtboulevard oder, wenn es sich um historisches Edelmetall handelt, auf einen Concours d’Elegance ausführen.

Man kann aber auch anders.

Michael Stoschek hat sich die Erfüllung seines Traums einiges kosten lassen, und damit ist nicht nur Geld gemeint. Einen Sportwagen vom ersten Zeichenstrich an komplett aufzubauen, nur die Vision eines würdigen Lancia Stratos-Nachfolgers vor Augen, diese Vision dann über Jahre unbeschadet durch zahllose Meetings, Entwürfe, Designstudien, Diskussionen, Entscheidungen, Fehlentscheidungen, Entwicklungsstadien, immer neue Tests und immer weitere Verbesserungen zu tragen, bis schließlich ein bis ins letzte Detail perfektes Meisterstück vor einem steht, das ist eine Aufgabe, der sich nur die wenigsten Sportwagen-Enthusiasten stellen - stellen wollen und stellen können.

Und dann? Schließt man dieses kostbare, von Herzblut durchtränkte Einzelstück in die dunkle Garage? Nicht, wenn man ein absolut begeisterter Rallyefahrer ist, drei Mal die Carrera Panamericana und 2006 die FIA Rallye-Europameisterschaft gewonnen hat und regelmäßig diverse historische Rallyeboliden an den Start bringt. In diesem Fall führt man seinen New Stratos dahin aus, wo er sich zuhause fühlt: in den Grenzbereich.

Solche Ausflüge sind alleine schon deshalb bewundernswert, weil nicht ohne Risiko, selbst wenn man nur 90 Prozent der Möglichkeiten –seiner und die des Fahrzeugs- ausschöpfen will. Denn gerade auf Rallyestrecken, wo die Auslaufzonen in der Regel aus Mauern, Felswänden, Bäumen und Böschungen bestehen, sind diese 90 Prozent eine nur schwer kalkulierbare Größe, die sich von Kurve zu Kehre blitzschnell ändern kann. Und so wundert es nicht, dass der New Stratos bei seinen Einsätzen als Vorausfahrzeug bereits erste – wenn auch kleinere- Blessuren nach Hause trug.

Der Lohn des Risikos: Sichtbarer Fahrspaß beim Besitzer und ehrliche Begeisterung bei Zuschauern und Sportwagen-Enthusiasten. So muss es sein.

Der kurze Zusammenschnitt von der diesjährigen Rally Isla Mallorca zeigt, wie viel Freude es machen kann, einen Vollblut-Sportwagen nicht in der Garage gefangen zu halten, sondern von Zeit zu Zeit einen artgerechten Auslauf zu gönnen:



Mehr von der Rally Isla Mallorca 2012 findet man auf der New Stratos Website, plus kostenlosem Download eines aktuellen Rallye-Magazin-Berichtes.

http://www.new-stratos.com/de/#/article/a16

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